Mehrfamilienhaus verkaufen in Hamburg: Im Ganzen oder einzelne Wohnungen verkaufen?

Ein Mehrfamilienhaus unterscheidet sich beim Verkauf grundlegend von einem Einfamilienhaus.
Der Käufer sucht nicht primär ein schönes Zuhause.
Er kauft eine Investition.

Mieteinnahmen, Rendite, Zustand, Entwicklungspotenzial und zukünftige Kosten rücken deshalb wesentlich stärker in den Mittelpunkt.
Für Eigentümer stellt sich zusätzlich eine strategische Frage:
Soll das komplette Mehrfamilienhaus an einen Investor verkauft werden – oder könnte der Verkauf einzelner Wohnungen einen höheren Gesamterlös ermöglichen?
Die Antwort kann einen erheblichen Unterschied machen.
Sie ist aber deutlich komplexer als:
Einzelne Wohnungen = automatisch mehr Geld.
Das Wichtigste in Kürze
Der Verkauf des gesamten Mehrfamilienhauses ist häufig schneller und organisatorisch einfacher.
Einzelne Eigentumswohnungen können zusammen einen höheren Gesamterlös ermöglichen.
Dafür müssen rechtliche und tatsächliche Voraussetzungen einer Aufteilung geprüft werden.
Bestehende Mietverhältnisse haben erheblichen Einfluss auf Käufergruppen und Preise.
Bei vermieteten Wohnungen sind miet- und umwandlungsrechtliche Vorgaben besonders wichtig.
Investoren bewerten Mehrfamilienhäuser stärker anhand wirtschaftlicher Kennzahlen.
Grundstück und mögliche zusätzliche Bebauung können erhebliche Werttreiber sein.
Vor dem Verkauf sollte eine Strategie für das gesamte Objekt entwickelt werden.
1. Was bestimmt den Wert eines Mehrfamilienhauses?
Bei einem klassischen Eigenheim stehen häufig Wohngefühl, Ausstattung und persönliche Vorlieben im Vordergrund.
Bei einem Mehrfamilienhaus wird wesentlich stärker gerechnet.
Interessenten betrachten unter anderem:
aktuelle Jahresnettokaltmiete
Mietverträge
Miethöhen
Wohn- und Gewerbeflächen
Leerstand
Mietentwicklungspotenzial
Betriebskosten
Instandhaltungszustand
energetischen Standard
Grundstück
Lage
mögliche Ausbaureserven
zukünftige Investitionen
Ein Mehrfamilienhaus mit niedrigen Bestandsmieten kann beispielsweise einen völlig anderen Wert besitzen als ein äußerlich vergleichbares Objekt mit einer anderen Mietstruktur.
2. Möglichkeit 1: Das komplette Mehrfamilienhaus verkaufen
Der klassische Weg ist der Verkauf des gesamten Gebäudes an einen einzelnen Käufer.
Typische Interessenten sind beispielsweise:
private Kapitalanleger, Family Offices, Immobiliengesellschaften oder andere professionelle Investoren.
Der Käufer übernimmt das Objekt inklusive bestehender Mietverhältnisse.
Für den Verkäufer hat diese Variante einen entscheidenden Vorteil:
Es gibt nur eine Transaktion.
Ein Käufer, ein Kaufvertrag und ein Verkauf des gesamten Objektes.
3. Die Vorteile des Gesamtverkaufs
Ein Gesamtverkauf kann insbesondere interessant sein, wenn Eigentümer eine möglichst klare und effiziente Transaktion wünschen.
Weniger organisatorischer Aufwand
Statt beispielsweise acht Wohnungen separat zu vermarkten, wird eine Immobilie als Gesamtobjekt verkauft.
Kürzerer Verkaufsprozess
Ein Einzelverkauf mehrerer Wohnungen kann sich über einen längeren Zeitraum erstrecken.
Beim Gesamtverkauf kann das komplette Objekt dagegen mit einer Transaktion übertragen werden.
Kein verbleibender Restbestand
Beim Einzelverkauf besteht das Risiko, dass attraktive Wohnungen schnell verkauft werden und schwierigere Einheiten anschließend übrig bleiben.
Beim Gesamtverkauf existiert dieses Problem nicht.
Klare wirtschaftliche Kalkulation
Der Eigentümer weiß nach Abschluss der Transaktion, welchen Gesamterlös er erzielt hat.
4. Der mögliche Nachteil: Investoren rechnen anders
Ein Eigennutzer kann sich in eine Wohnung verlieben.
Ein professioneller Investor verliebt sich normalerweise eher in eine vernünftige Rendite.
Beim Gesamtverkauf wird deshalb häufig sehr genau gerechnet.
Ein vereinfachtes Beispiel:
Ein Mehrfamilienhaus erzielt:
100.000 Euro Jahresnettokaltmiete.
Bei einem angenommenen Kaufpreis von:
2.500.000 Euro
entspricht das einem Kaufpreisfaktor von:
25 Jahresnettokaltmieten.
Der Investor betrachtet anschließend unter anderem:
Ist die aktuelle Miete marktgerecht?
Welche Kosten entstehen?
Welche Modernisierungen stehen bevor?
Welche Entwicklungsmöglichkeiten bestehen?
Welche Rendite bleibt realistisch übrig?
Damit wird die wirtschaftliche Qualität des Objektes unmittelbar preisrelevant.
5. Möglichkeit 2: Einzelne Wohnungen verkaufen
Die zweite Strategie kann auf den ersten Blick lukrativer erscheinen.
Das Mehrfamilienhaus wird – sofern die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt werden können – in Wohnungseigentum aufgeteilt beziehungsweise vorhandenes Wohnungseigentum wird einzeln veräußert.
Statt eines Käufers für das komplette Haus können anschließend verschiedene Käufer angesprochen werden.
Dazu können gehören:
Eigennutzer + private Kapitalanleger + bestehende Mieter.
Damit verändert sich die Käuferstruktur erheblich.
6. Warum einzelne Wohnungen mehr wert sein können
Nehmen wir ein stark vereinfachtes Beispiel.
Ein Mehrfamilienhaus mit acht Wohnungen könnte als Gesamtobjekt einen Marktwert von:
2.800.000 Euro
besitzen.
Die acht Wohnungen könnten bei separater Betrachtung theoretisch durchschnittlich:
400.000 Euro
wert sein.
Das ergäbe:
8 × 400.000 € = 3.200.000 €
Auf dem Papier beträgt der Unterschied:
400.000 Euro.
Klingt eindeutig.
Ist es aber noch nicht.
Denn jetzt beginnt erst die eigentliche Rechnung.
7. Der höhere Gesamterlös ist nicht automatisch der höhere Gewinn
Beim Einzelverkauf können zusätzliche Kosten und erheblicher Aufwand entstehen.
Zum Beispiel:
rechtliche und technische Vorbereitung
gegebenenfalls Aufteilung
Pläne und Unterlagen
Vermarktung jeder einzelnen Einheit
mehrere Kaufverträge
längerer Verkaufszeitraum
mögliche Investitionen vor dem Verkauf
Verwaltung des verbleibenden Bestandes
rechtliche Besonderheiten bestehender Mietverhältnisse
Aus dem theoretischen Mehrerlös müssen deshalb sämtliche zusätzlichen Kosten und Risiken herausgerechnet werden.
Die entscheidende Frage lautet:
Was bleibt am Ende tatsächlich übrig?
8. Vermietete und freie Wohnungen sind nicht dasselbe
Eine freie Eigentumswohnung kann grundsätzlich auch an Eigennutzer verkauft werden.
Bei einer vermieteten Wohnung kauft der Erwerber dagegen zunächst ein bestehendes Mietverhältnis mit.
Das verändert die Zielgruppe.
Für Eigennutzer kann eine vermietete Wohnung weniger interessant sein.
Kapitalanleger betrachten dagegen insbesondere:
Kaufpreis → Mieteinnahmen → Kosten → Rendite.
Deshalb können zwei ansonsten identische Wohnungen im gleichen Gebäude unterschiedlich bewertet werden, wenn eine frei und die andere vermietet ist.
9. Bestehende Mietverhältnisse müssen respektiert werden
Ein Verkauf beendet einen bestehenden Mietvertrag grundsätzlich nicht.
Der bekannte Grundsatz lautet:
Kauf bricht nicht Miete.
Der Käufer tritt grundsätzlich in das bestehende Mietverhältnis ein.
Gerade bei einem geplanten Einzelverkauf vermieteter Wohnungen müssen zudem mögliche besondere Schutzvorschriften, Vorkaufsrechte und Einschränkungen genau geprüft werden.
Hamburg besitzt in diesem Bereich teilweise besondere wohnungsrechtliche Rahmenbedingungen.
Deshalb sollte eine mögliche Aufteilung vor jeder wirtschaftlichen Kalkulation rechtlich geprüft werden.
10. Mehrfamilienhaus verkaufen – welche Unterlagen werden benötigt?
Bei Anlageimmobilien ist eine gute Dokumentation besonders wichtig.
Interessenten möchten die wirtschaftliche und technische Situation nachvollziehen können.
Typischerweise werden unter anderem benötigt:
Grundbuchauszug
Flurkarte
Grundrisse
Wohnflächenberechnungen
Mietverträge
aktuelle Mietaufstellung
Angaben zu Nebenkosten
Energieausweis
Modernisierungsnachweise
Angaben zu Instandhaltungen
Informationen über Leerstände
gegebenenfalls Gewerbemietverträge
Informationen zu Grundstück und Baurecht
Je vollständiger die Unterlagen vorbereitet sind, desto besser kann ein potenzieller Käufer das Objekt prüfen.
11. Die Mieterliste ist für Investoren besonders wichtig
Bei einem Mehrfamilienhaus reicht die Angabe:
„Das Haus bringt ungefähr 10.000 Euro Miete im Monat.“
nicht aus.
Professionelle Käufer möchten wesentlich genauer wissen:
Einheit | Fläche | Kaltmiete | Mietbeginn | Status |
Wohnung 1 | 72 m² | 950 € | 2019 | vermietet |
Wohnung 2 | 84 m² | 1.150 € | 2023 | vermietet |
Wohnung 3 | 65 m² | 780 € | 2014 | vermietet |
Wohnung 4 | 91 m² | – | – | frei |
So lässt sich die bestehende Mietstruktur wesentlich besser analysieren.
Dabei sind selbstverständlich Datenschutz und eine professionelle Aufbereitung der Informationen zu beachten.
12. Mietpotenzial kann wertvoll sein – aber nicht jede theoretische Miete ist realistisch
Ein häufiger Fehler beim Verkauf lautet:
„Die Wohnungen könnte man eigentlich viel teurer vermieten.“
Vielleicht.
Für einen Käufer zählt aber nicht irgendeine theoretisch denkbare Miete.
Entscheidend ist, welche Mietentwicklung rechtlich und tatsächlich realisierbar ist.
Bestehende Mietverträge, Mietrecht, Vergleichsmieten, Mietpreisbremse und weitere Vorgaben können relevant sein.
Deshalb sollte zwischen:
Ist-Miete
und
realistisch erzielbarer zukünftiger Miete
klar unterschieden werden.
13. Das Grundstück kann ein versteckter Werttreiber sein
Bei Mehrfamilienhäusern wird häufig sehr stark auf die Mietrendite geschaut.
Dabei kann das Grundstück zusätzliche Potenziale besitzen.
Zum Beispiel:
zusätzliche Bebauung
Hinterhofbebauung
Dachgeschossausbau
Aufstockung
zusätzliche Stellplätze
andere Flächennutzung
Ob solche Möglichkeiten tatsächlich bestehen, hängt von der konkreten planungsrechtlichen Situation ab.
Sind sie realistisch, können sie für professionelle Käufer allerdings erheblichen wirtschaftlichen Wert besitzen.
Ein Verkauf sollte deshalb nicht nur das bestehende Gebäude betrachten.
Manchmal kauft ein Investor genauso sehr die Zukunft des Grundstücks wie dessen aktuellen Bestand.
14. Auch ein Dachboden kann plötzlich wirtschaftlich interessant werden
Ein nicht ausgebautes Dachgeschoss wird vom langjährigen Eigentümer vielleicht nur als Abstellfläche wahrgenommen.
Für einen Investor kann die Frage lauten:
Kann daraus zusätzliche Wohnfläche entstehen?
Dasselbe gilt für:
Nebengebäude
Garagenflächen
große Innenhöfe
untergenutzte Grundstücksbereiche
bestehende Gewerbeflächen
Vor dem Verkauf sollte deshalb geprüft werden, welche Flächen tatsächlich vorhanden sind und welches Potenzial möglicherweise besteht.
15. Off-Market-Verkauf kann bei Mehrfamilienhäusern interessant sein
Nicht jedes Mehrfamilienhaus muss öffentlich auf den großen Immobilienportalen erscheinen.
Gerade bei größeren Anlageimmobilien kann eine diskrete Vermarktung sinnvoll sein.
Dabei wird das Objekt gezielt ausgewählten und vorqualifizierten Investoren angeboten.
Vorteile können sein:
höhere Diskretion
gezielte Käuferansprache
weniger öffentliche Informationen
kontrollierter Verkaufsprozess
Ansprache geeigneter Kapitalanleger
Ob ein öffentlicher oder diskreter Verkauf sinnvoller ist, hängt allerdings vom Objekt und der jeweiligen Marktsituation ab.
16. Gesamtverkauf oder Einzelverkauf – der direkte Vergleich
Gesamtverkauf | Einzelverkauf | |
Anzahl Käufer | meist einer | mehrere |
Verkaufsdauer | tendenziell kürzer | tendenziell länger |
Aufwand | geringer | höher |
Zielgruppe | vor allem Investoren | Investoren & ggf. Eigennutzer |
möglicher Gesamterlös | möglicherweise geringer | möglicherweise höher |
rechtliche Komplexität | geringer | höher |
Vermarktungsaufwand | einmalig | je Einheit |
Restbestandsrisiko | gering | vorhanden |
Die Tabelle zeigt, warum die Entscheidung nicht ausschließlich anhand des theoretischen Verkaufspreises getroffen werden sollte.
17. Welche Strategie ist für Eigentümer die richtige?
Ein Gesamtverkauf kann sinnvoll sein, wenn:
schnell und vollständig verkauft werden soll,
wenig organisatorischer Aufwand gewünscht ist,
das Gebäude bereits als klassische Kapitalanlage funktioniert,
eine geeignete Investorenzielgruppe vorhanden ist.
Ein Einzelverkauf kann interessanter sein, wenn:
rechtliche Voraussetzungen erfüllt sind,
einzelne Wohnungen besonders attraktiv für Eigennutzer sind,
ausreichend Zeit vorhanden ist,
der mögliche Mehrerlös den zusätzlichen Aufwand rechtfertigt.
Und manchmal ist auch eine Mischstrategie denkbar.
Entscheidend ist deshalb eine wirtschaftliche Vorabrechnung beider Szenarien.
18. Erst rechnen, dann entscheiden
Bevor ein Mehrfamilienhaus auf den Markt gebracht wird, sollten Eigentümer idealerweise mehrere Szenarien kennen.
Szenario A
Verkauf des gesamten Hauses
Was ist das Objekt für einen Investor heute realistisch wert?
Szenario B
Einzelverkauf
Welche Preise könnten die einzelnen Einheiten erzielen?
Welche Kosten entstehen?
Wie lange könnte der Verkauf dauern?
Welche rechtlichen Einschränkungen bestehen?
Erst wenn beide Varianten sauber gegenübergestellt werden, lässt sich beurteilen, welche Strategie tatsächlich wirtschaftlich sinnvoller ist.
Fazit: Ein Mehrfamilienhaus braucht eine Verkaufsstrategie – nicht nur einen Verkaufspreis
Bei einem Mehrfamilienhaus können bereits kleine Unterschiede in Bewertung und Strategie erhebliche Auswirkungen auf den Gesamterlös haben.
Ein schneller Gesamtverkauf kann wirtschaftlich sinnvoller sein als ein jahrelanger Einzelverkauf.
Umgekehrt kann die separate Veräußerung einzelner Wohnungen unter geeigneten Voraussetzungen einen höheren Gesamterlös ermöglichen.
Deshalb sollten vor dem Verkaufsstart Mietstruktur, Zustand, Grundstück, Entwicklungspotenzial, Käuferzielgruppe und mögliche Verkaufsvarianten gemeinsam analysiert werden.
Peters + Peters begleitet Eigentümer von Mehrfamilienhäusern und Anlageimmobilien in Hamburg bei der Bewertung, Positionierung und strukturierten Vermarktung ihrer Immobilie.
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