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Immobilie geerbt: Verkaufen, vermieten oder selbst nutzen?

  • Autorenbild: Peters+Peters
    Peters+Peters
  • 2. Aug.
  • 6 Min. Lesezeit

Eine Immobilie zu erben ist eine besondere Situation. Mit einem Haus oder einer Wohnung wird häufig ein erheblicher Vermögenswert übertragen – gleichzeitig aber auch Verantwortung.

Hinzu kommt die persönliche Seite: Vielleicht handelt es sich um das Elternhaus, in dem man selbst aufgewachsen ist. Vielleicht leben mehrere Erben inzwischen in unterschiedlichen Städten. Oder die Immobilie ist vermietet und war bisher ausschließlich als Kapitalanlage gedacht.

Früher oder später steht jedoch eine Entscheidung an:



Soll die geerbte Immobilie verkauft, vermietet oder selbst genutzt werden?


Die richtige Antwort hängt von der Immobilie selbst, der finanziellen Situation, den persönlichen Plänen und – bei mehreren Erben – den Interessen der gesamten Erbengemeinschaft ab.

Bevor eine Entscheidung getroffen wird, sollte deshalb zunächst Klarheit geschaffen werden.


Das Wichtigste in Kürze

Wer eine Immobilie erbt, sollte nicht vorschnell über Verkauf oder Vermietung entscheiden.

Zunächst sollten der tatsächliche Marktwert, der Zustand der Immobilie, bestehende Belastungen und laufende Kosten bekannt sein.


Bei einer Erbengemeinschaft müssen außerdem unterschiedliche Interessen miteinander vereinbart werden.


Grundsätzlich stehen drei Wege offen:

  • Immobilie verkaufen

  • Immobilie vermieten

  • Immobilie selbst nutzen


Welche Variante wirtschaftlich sinnvoll ist, lässt sich erst beurteilen, wenn die Immobilie und die persönliche Situation gemeinsam betrachtet werden.


1. Zuerst den tatsächlichen Wert der Immobilie kennen


Eine der wichtigsten Fragen lautet:


Was ist die geerbte Immobilie heute überhaupt wert?

Gerade bei Immobilien, die sich seit Jahrzehnten im Familienbesitz befinden, fehlt häufig eine realistische Vorstellung vom aktuellen Marktwert.

Der damalige Kaufpreis sagt darüber nur wenig aus.

Für den heutigen Wert spielen unter anderem folgende Faktoren eine Rolle:

  • Lage und Mikrolage

  • Grundstücksgröße

  • Wohn- und Nutzfläche

  • Baujahr

  • baulicher Zustand

  • Modernisierungen

  • energetischer Zustand

  • Ausstattung

  • Vermietungssituation

  • aktuelle Nachfrage am jeweiligen Standort


In Hamburg kann insbesondere die genaue Lage erhebliche Auswirkungen haben. Zwei äußerlich vergleichbare Immobilien können aufgrund ihres Stadtteils und ihrer unmittelbaren Umgebung unterschiedlich bewertet werden.

Der Marktwert sollte deshalb möglichst am Anfang festgestellt werden. Erst dann lassen sich die verschiedenen Möglichkeiten wirtschaftlich miteinander vergleichen.


2. Möglichkeit: Die geerbte Immobilie verkaufen

Ein Verkauf ist besonders dann interessant, wenn die Erben die Immobilie nicht selbst benötigen oder das darin gebundene Vermögen anderweitig einsetzen möchten.

Der große Vorteil liegt in der Klarheit.

Aus einer Immobilie wird verfügbares Kapital. Bei mehreren Erben kann der Verkaufserlös entsprechend der jeweiligen Anteile verteilt werden.


Ein Verkauf kann beispielsweise sinnvoll sein, wenn:

  • keiner der Erben die Immobilie selbst nutzen möchte,

  • mehrere Erben unterschiedliche Vorstellungen haben,

  • hohe Modernisierungskosten bevorstehen,

  • die laufenden Kosten eine Belastung darstellen,

  • das Kapital anderweitig benötigt wird,

  • die Verwaltung einer vermieteten Immobilie nicht gewünscht ist.


Gerade bei einer Erbengemeinschaft kann ein gemeinsamer Verkauf außerdem verhindern, dass sich eine ungeklärte Situation über Jahre hinzieht.


3. Möglichkeit: Die Immobilie vermieten

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Immobilie im Familienbesitz zu behalten und zu vermieten.

Dadurch bleibt der Sachwert erhalten und es können regelmäßige Mieteinnahmen erzielt werden.

Auf den ersten Blick erscheint das häufig besonders attraktiv. Allerdings sollte die Entscheidung nicht allein anhand der möglichen Monatsmiete getroffen werden.

Denn Eigentum verursacht ebenfalls Kosten.


Zu berücksichtigen sind beispielsweise:

  • Instandhaltung

  • Modernisierung

  • Verwaltung

  • nicht umlagefähige Nebenkosten

  • mögliche Leerstandszeiten

  • Reparaturen

  • Rücklagen


Entscheidend ist deshalb nicht nur die erzielbare Miete, sondern die tatsächliche wirtschaftliche Rendite.


Verkaufen oder vermieten? Ein einfacher Vergleich

Verkauf

Vermietung

Kapital wird unmittelbar verfügbar

Immobilie bleibt im Eigentum

Keine laufende Verwaltung

Regelmäßige Mieteinnahmen möglich

Keine zukünftigen Instandhaltungskosten

Eigentümer trägt weiterhin Verantwortung

Klare Lösung bei mehreren Erben

Abstimmung innerhalb einer Erbengemeinschaft erforderlich

Keine weitere Beteiligung an der Wertentwicklung

Langfristige Wertentwicklung bleibt erhalten

Keine Variante ist grundsätzlich besser. Entscheidend ist, welche Lösung zur jeweiligen Immobilie und zur Lebensplanung der Erben passt.


4. Möglichkeit: Selbst in die geerbte Immobilie einziehen


Gerade beim Elternhaus entsteht häufig der Gedanke, die Immobilie selbst zu übernehmen.

Das kann sowohl wirtschaftliche als auch emotionale Gründe haben.

Bevor diese Entscheidung getroffen wird, sollte allerdings geprüft werden, ob die Immobilie tatsächlich zur eigenen Lebenssituation passt.

Ein großes Einfamilienhaus kann beispielsweise wunderschön sein – gleichzeitig aber erheblich mehr Unterhalt und Pflege erfordern als die bisherige Wohnung.

Wichtige Fragen sind:


Passt die Lage zu meinem Alltag?


Passt die Größe langfristig zu meiner Lebensplanung?


Welche Modernisierungen stehen an?


Kann ich die laufenden Kosten dauerhaft tragen?


Müssen andere Erben ausgezahlt werden?

Gerade der letzte Punkt kann entscheidend sein.


5. Sonderfall Erbengemeinschaft: Wenn mehrere Personen eine Immobilie erben

Komplexer wird die Situation, wenn beispielsweise mehrere Geschwister gemeinsam eine Immobilie erben.

Dann gehört nicht jedem automatisch ein bestimmtes Zimmer oder ein bestimmter Teil des Hauses. Vielmehr müssen wichtige Entscheidungen über die Immobilie gemeinsam getroffen werden.


Und genau hier entstehen in der Praxis häufig unterschiedliche Interessen.

Ein Erbe möchte verkaufen.

Der zweite möchte vermieten.

Der dritte würde das Elternhaus am liebsten behalten.

Solche unterschiedlichen Vorstellungen sind völlig normal. Problematisch wird es erst, wenn keine gemeinsame Entscheidungsgrundlage vorhanden ist.

Deshalb ist gerade bei einer Erbengemeinschaft eine neutrale Bewertung der Immobilie besonders hilfreich.


Beispiel: Drei Geschwister erben ein Haus in Hamburg

Nehmen wir vereinfacht an, drei Geschwister erben gemeinsam ein Haus.

Der angenommene Marktwert beträgt:


750.000 Euro

Alle drei besitzen jeweils ein Drittel.

Damit entspricht der rechnerische Anteil jedes Erben:


250.000 Euro

Möchte nun eines der Geschwister die Immobilie vollständig übernehmen, müssten grundsätzlich Lösungen für die Anteile der beiden anderen gefunden werden.

Bei einem Verkauf wäre die Situation anders: Nach Abschluss des Verkaufs und Berücksichtigung der jeweiligen Verpflichtungen könnte der Erlös entsprechend der Eigentumsanteile verteilt werden.


Dieses vereinfachte Beispiel zeigt, warum der Immobilienwert bei einer Erbschaft eine so zentrale Rolle spielt.


6. Nicht nur auf den heutigen Zustand schauen

Ein häufiger Fehler besteht darin, eine geerbte Immobilie ausschließlich nach ihrem aktuellen Erscheinungsbild zu beurteilen.

Ein älteres Haus kann zunächst sanierungsbedürftig wirken und trotzdem erhebliches Potenzial besitzen.

Denkbar sind beispielsweise:

  • Ausbaureserven

  • zusätzliche Wohnfläche

  • Grundstücksteilung

  • Erweiterungsmöglichkeiten

  • Modernisierung

  • Neubaupotenzial


Ob solche Möglichkeiten tatsächlich bestehen, muss selbstverständlich im Einzelfall geprüft werden.

Gerade bei älteren Einfamilienhäusern auf größeren Hamburger Grundstücken kann jedoch das Grundstück selbst einen erheblichen Anteil am Gesamtwert ausmachen.


7. Muss die Immobilie vor dem Verkauf renoviert werden?


Nicht automatisch.

Das ist gerade bei geerbten Immobilien ein wichtiger Punkt.

Viele Erben denken zunächst:

„Wir müssen das Haus erst komplett renovieren, bevor wir es verkaufen können.“

Das kann sinnvoll sein – muss es aber nicht.

Eine umfangreiche Renovierung kostet Geld, Zeit und organisatorischen Aufwand. Gleichzeitig entsprechen eine neue Küche oder ein neu gestaltetes Badezimmer möglicherweise überhaupt nicht dem Geschmack des späteren Käufers.

Kleinere Maßnahmen können dagegen durchaus sinnvoll sein:

  • Entrümpelung

  • gründliche Reinigung

  • Gartenpflege

  • kleinere Reparaturen

  • neutrale Präsentation

Bevor größere Summen investiert werden, sollte deshalb geprüft werden, welchen Einfluss die Maßnahme tatsächlich auf den erzielbaren Verkaufspreis haben könnte.


8. Welche Unterlagen sollten Erben zusammentragen?

Ein weiterer sinnvoller Schritt ist die frühzeitige Zusammenstellung der Immobilienunterlagen.

Je nach Immobilie können beispielsweise relevant sein:

  • Grundbuchunterlagen

  • Grundrisse

  • Wohnflächenberechnung

  • Energieausweis

  • Bauunterlagen

  • Informationen zu Modernisierungen

  • Mietverträge bei vermieteten Immobilien

  • Teilungserklärung bei Eigentumswohnungen

  • Unterlagen der Eigentümergemeinschaft

Gerade bei älteren Immobilien fehlen erfahrungsgemäß manchmal Dokumente.

Wer frühzeitig damit beginnt, die Unterlagen zusammenzutragen, erspart sich später unnötige Verzögerungen.


9. Die emotionale Bindung nicht unterschätzen

Eine geerbte Immobilie ist häufig nicht einfach nur ein Vermögensgegenstand.

Das Elternhaus kann mit Jahrzehnten persönlicher Erinnerungen verbunden sein. Jeder Raum erzählt eine Geschichte und selbst einzelne Möbelstücke können einen hohen emotionalen Wert besitzen.

Deshalb muss die wirtschaftlich sinnvollste Entscheidung nicht automatisch die persönlich richtige Entscheidung sein.

Trotzdem ist es hilfreich, beide Ebenen voneinander zu trennen:

Was bedeutet die Immobilie emotional für mich?

und

Was bedeutet die Immobilie wirtschaftlich für mich?

Erst wenn beide Fragen beantwortet sind, lässt sich eine wirklich bewusste Entscheidung treffen.


Welche Möglichkeit kann wann sinnvoll sein?

Ausgangssituation

Mögliche Option

Kein Erbe möchte die Immobilie nutzen

Verkauf

Kapital wird benötigt

Verkauf

Mehrere Erben möchten eine klare Aufteilung

Verkauf kann sinnvoll sein

Immobilie erzielt attraktive Mieteinnahmen

Vermietung prüfen

Langfristiger Vermögensaufbau gewünscht

Vermietung prüfen

Ein Erbe möchte dort dauerhaft wohnen

Eigennutzung prüfen

Hoher Sanierungsbedarf

Verkauf und Sanierung vergleichen

Starke emotionale Bindung

Entscheidung nicht ausschließlich wirtschaftlich treffen


10. Nicht unter Zeitdruck entscheiden

Eine Erbschaft ist ohnehin eine Ausnahmesituation. Deshalb sollte eine Immobilie nicht vorschnell verkauft werden, nur um das Thema möglichst schnell abzuschließen.

Genauso wenig sollte sie aus emotionalen Gründen jahrelang behalten werden, obwohl niemand eine wirkliche Verwendung dafür hat.

Der sinnvollere Weg ist eine strukturierte Entscheidung:

Immobilie verstehen → Wert kennen → Möglichkeiten vergleichen → Entscheidung treffen.

Damit wird aus einer emotionalen Situation eine nachvollziehbare Entscheidungsgrundlage.


Häufige Fragen zur geerbten Immobilie

Muss ich eine geerbte Immobilie verkaufen?

Nein. Grundsätzlich kommen je nach persönlicher und rechtlicher Situation Verkauf, Vermietung oder Eigennutzung infrage.


Kann ich ein geerbtes Haus vermieten?

Grundsätzlich kann eine geerbte Immobilie vermietet werden. Bei mehreren Eigentümern müssen dabei allerdings die entsprechenden Entscheidungen innerhalb der Eigentümergemeinschaft berücksichtigt werden.


Was passiert, wenn mehrere Personen ein Haus erben?

Dann kann eine Erbengemeinschaft entstehen. Entscheidungen über die Immobilie müssen entsprechend der rechtlichen Situation gemeinsam getroffen werden.


Sollte ich eine geerbte Immobilie vor dem Verkauf renovieren?

Nicht zwangsläufig. Kleine optische Verbesserungen können sinnvoll sein, umfangreiche Sanierungen sollten dagegen vorher wirtschaftlich geprüft werden.


Wie finde ich heraus, was meine geerbte Immobilie wert ist?

Der Marktwert hängt unter anderem von Lage, Grundstück, Wohnfläche, Zustand, Ausstattung und der aktuellen Nachfrage ab. Eine professionelle Immobilienbewertung schafft eine fundierte Grundlage für die weitere Entscheidung.


Fazit: Erst den Wert kennen, dann entscheiden

Eine geerbte Immobilie eröffnet verschiedene Möglichkeiten – und keine davon ist automatisch die richtige.

Verkaufen kann finanzielle Freiheit und Klarheit schaffen. Vermieten kann langfristige Einnahmen ermöglichen. Die Eigennutzung kann wiederum sowohl wirtschaftlich als auch persönlich attraktiv sein.

Der wichtigste erste Schritt ist deshalb nicht der Verkauf und auch nicht die Vermietung.

Es ist die Klarheit darüber, was man eigentlich geerbt hat.

Wer den Zustand, das Potenzial und den realistischen Marktwert seiner Immobilie kennt, kann anschließend wesentlich fundierter entscheiden, welcher Weg zur eigenen Lebenssituation passt.

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